München Focus ’88

Teil I und II

10. Juni – 2. Oktober 1988

Die in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung gezeigte Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst in München fand in zwei Teilen statt und zeigte Werke von 14 Künstlern der mittleren und jüngeren Generation. Sie wurde von Zdenek Felix konzipiert und unter der beratenden Mitwirkung von Peter M. Bode, Laszlo Glozer, Michael Meuer, Peter-Klaus Schuster, Michael Tacke und Armin Zweite entwickelt.

Schauplatz der Gegenwartskunst

In den 80er Jahren hat München als Schauplatz der Gegenwartskunst zunehmend Bedeutung erlangt. Vorbereitet wurde diese Entwicklung bereits im vorhergehenden Jahrzehnt durch Aktivitäten von mehreren Künstlern, Galerien und Kritikern. Heftiger als in anderen deutschen Großstädten wird in München um die Erdskulpturen von Michael Heizer und Walter de Maria, sowie den Ankauf eines Werkes von Joseph Beuys für die Städtische Galerie diskutiert. Gerade diese Auseinandersetzungen tragen zur Belebung des Kunstklimas an der Isar bei. Die Veränderungen schlagen sich auch in der Arbeit der neuen Künstlergeneration der 70er Jahre nieder. Mehrere Absolventen der Münchner Akademie finden in dieser Zeit zu spezifischen formalen Positionen, in welchen sich nicht zuletzt auch bestimmte lokale Entwicklungen widerspiegeln, deren Wurzeln entfernt in dem romantisch empfundenen Klassizismus eines Leo von Klenze liegen. Doch auch gegensätzliche Positionen machen sich bemerkbar.

Premieren

»MÜNCHEN FOCUS ’88« unternahm den Versuch, die aktuellen Auswirkungen der skizzierten Entwicklung anhand von ausgewählten Beispielen zu belegen. Wenn auch der historisch-retrospektive Aspekt keinesfalls ausgeklammert wurde, konzentrierte sich die Ausstellung vorrangig auf die Gegenwart. Bis auf geringe Ausnahmen wurden Arbeiten aus den Jahren 1987–88 vorgestellt. In den meisten Fällen hatten die Künstler spezifische Raum- und Videoinstallationen entworfen oder aber Bilder und Plastiken geschaffen, die zum ersten Mal gezeigt wurden. 

Vielfalt der künstlerischen Positionen

Entscheidend war nicht das Medium, sondern die klare Haltung des Künstlers, seine Fähigkeit, die gewählten Mittel formal und adäquat richtig einzusetzen. Dennoch handelte es sich keinesfalls um eine »programmatische« Ausstellung. Ferner sollten auch keine Gruppierungen vorgestellt werden. Der Sinn der Schau lag nicht zuletzt in ihrer Offenheit: aus der Vielfalt der gedanklichen und formalen Konzepte sollte auch die Vielheit der künstlerischen Position der damaligen Kunst in München hervor gehen. 

International auffallend

Die Ausstellung »MÜNCHEN FOCUS ’88« verstand sich insofern als pointierter Blick auf die Kunstszene der ausgehenden ’80 Jahre in München, als diese Schau bewusst auf die so populäre Ausgewogenheit von Positionen und Stilen verzichtete. Es ging auch nicht um eine Gesamtschau einer wie auch immer gearteten künstlerischen Topographie der bayerischen Metropole. Vielmehr sollten mit »MÜNCHEN FOCUS ’88« jene individuellen Haltungen vorgestellt werden, die auch von außen sichtbar im internationalen Vergleich wahrnehmbar erschienen.