Matta

20. September – 11. November 1991

Matta – der Surrealist

Diese Ausstellung war dem chilenischen Maler Roberto Sebastian Antonio Matta Echaurren – er selbst nennt sich kurz Matta – gewidmet. Der Name Matta ist untrennbar mit dem Surrealismus verbunden. Matta, der in Santiago ein Architekturstudium absolviert hatte, trat zunächst in Paris ins Büro von Le Corbusier ein, sagte sich aber bald von allen konstruktivistischen Tendenzen los und schloss sich dem Kreis von André Breton an. Als die Bewegung des Surrealismus Ende der dreißiger Jahre zu erstarren drohte, waren es zwei junge Lateinamerikaner, der Chilene Matta und der Kubaner Lam, die der Gruppe in Paris noch einmal neue Impulse gaben.

Gefangen in Formen und Farben

Beinahe wäre Matta, der letzte Surrealist, dann in New York zum ersten abstrakten Expressionisten geworden. Gemeinsam mit anderen surrealistischen Malern im Exil, mit Max Ernst und André Masson, wurde er zum entscheidenden Stichwortgeber für eine Generation junger amerikanischer Künstler, zu der Pollock, Gorky und Motherwell gehörten. Aber ebenso wenig wie Max Ernst oder Masson hat Matta je die Grenzlinie von der surrealistischen écriture automatique zu action painting oder Tachismus überschritten. Er konnte nicht davon lassen, Formen und Figuren zu erfinden und sie, heillos verstrickt in farbigen Nebeln, sich gegen die Visionen eines von undurchschaubaren Kräften beherrschten, ins Chaos taumelnden Universums wehren zu lassen. 

Kosmische Räume

Matta ist der Erfinder kosmischer Räume, in denen antropomorphhomunkulide Wesen sich gegen den Einbruch chaotischer Mächte wehren. Man hat ihn den Maler des »Kriegs der Sterne« und den ersten Science-fiction-Künstler genannt. Werner Hofmann bezeichnet ihn als den Maler, der einem Zeitalter der Gewalt seine Mythologie gegeben hat, und verglich seine Raumvisionen mit den Erfahrungen, die die Gemälde Tintorettos vermitteln. 

In Deutschland (erst) unbekannt

Indes die Kunst Mattas in Frankreich, Italien und Spanien ebenso wie in Lateinamerika seit langem vielfältige Wirkung gezeitigt und tiefe Spuren hinterlassen hat, ist Matta hierzulande, anders als manche seiner surrealistischen Malerfreunde, nie richtig populär geworden und dies, obwohl sich verschiedene private Galerien und Museen schon früh und mit Ausdauer für ihn einsetzten. 

Es wurden in einer umfassenden Übersicht mehr als achtzig Werke des Künstlers (50 Ölbilder, 1 Skulptur und 34 Zeichnungen) aus allen seinen Schaffensperioden unter Einschluss einiger der für Matta typischen ganz großen – mehr als drei oder vier Meter breiten – Formate gezeigt. Mit einer Gruppe wichtiger, bisher selten gezeigter farbiger Zeichnungen aus den späten dreißiger und frühen vierziger Jahren wurde ein besonderer Akzent auf das Frühwerk gesetzt. Die jüngere Schaffensperiode wurde sowohl durch einige bisher nicht ausgestellte Bilder aus dem Atelier des Künstlers wie durch Videoarbeiten mit bewegten Computerzeichnungen dokumentiert.

Die Leihgaben kamen aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Frankreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und den USA.