Mark Rothko

Retrospektive

8. Februar – 31. August 2008

Der Abstrakte Expressionismus in der Welt der Kunst

Mark Rothko ist einer der bedeutendsten amerikanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Bekannt sind seine meist großformatigen Gemälde mit horizontal geschichteten Farbflächen. Solche meditativen Abstraktionen gelten heute als Synonyme für den Abstrakten Expressionismus. Unter dem Schlagwort New York School übernimmt die amerikanische Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg analog zur Vormachtstellung der Vereinigten Staaten im politischen und wirtschaftlichen Bereich mit diesem Stil auch die Führung in der Welt der Kunst.

Rothkos Leben und Werk

Rothko hat sich jedoch zeitlebens dagegen gewehrt, als Maler abstrakter Bilder vereinnahmt zu werden. 1903 als Marcus Rothkowitz in Russland geboren, kommt er als Zehnjähriger mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. Nach Studien in Yale und an der New School of Design in New York, beginnt er ab 1930 als Künstler zu arbeiten. Ganz allmählich tastet er sich von figurativen Anfängen über den Surrealismus zu reinen Farbkonstellationen heran. Man erkennt in seinen frühen städtischen Szenen bereits Experimente mit formalen Reduktionen und es wird deutlich, wie sich seine surreal-biomorphen Formen zu immer kompakteren Farbwolken, so genannten »multiforms« bündeln. Diese markieren Ende der 1940er Jahre den Übergang zu seinem genuinen Bildschema, den sich überlagernden Farbschleiern, die durch das Durchscheinen der Schichten zu räumlicher Wirkung gebracht werden. Wenn auch von allem Abbildlichen befreit, verbindet der Künstler seine Bilder weiter mit inhaltlichen Vorstellungen.

Farbensembles 

Auch vollkommen ungegenständliche Gemälde will er daher stets als etwas Konkretes verstanden wissen. Seine aus dem Rechteck entwickelten Formgefüge sorgen durch ihre Proportionen zueinander und die Zusammenstellungen ihrer Farben für einen von jedem Betrachter individuell erfahrenen Bildausdruck, den der Künstler als Bedeutungsgehalt versteht. Die als harmonisch oder spannungsgeladen, leuchtend oder düster, dominant oder gleichgewichtig empfundenen Farbensembles von Mark Rothko sind gleichzeitig Auslöser und künstlerischer Reflex psychischer Stimmungswerte. Das Schwarz in seiner Farbskala steht für die Leere und das Nichts. Die in seinem letzten Lebensjahrzehnt entstehenden »Blackform«- und »Black on Gray«-Paintings setzen eine radikale Zäsur und stehen auch für Verweigerung. Eine zu offensichtliche Schönheit wird zugunsten ikonischer Strenge zurückgenommen. Schwärze steht deshalb weniger für Depression und Krankheit, als für eine maximale Leistung des Betrachters, der so unausweichlich mit der elementaren Tragik dieser letzten Werke konfrontiert wird. Es ist deshalb wohl nicht falsch, diese in ihrer unausweichlichen Konsequenz als letzte geschlossene Bildserie zu verstehen und sie als eine Art Vermächtnis vor dem Freitod von 1970 zu lesen.

Selten in Deutschland vertreten

Mark Rothko ist in europäischen Sammlungen nur selten vertreten. Wenige deutsche staatliche Museen, wie in Berlin, Düsseldorf oder Stuttgart besitzen überhaupt ein Gemälde von ihm. Aufgrund der extremen Empfindlichkeit seiner sensiblen Bildoberflächen und der exorbitanten Entwicklung auf dem Kunstmarkt, ist es absehbar, dass eine groß angelegte Überblicksausstellung, wie sie in München und Hamburg gezeigt wurde, für lange Zeit nicht mehr in Europa zu realisieren sein wird. Umso größer ist der Dank an Kate Rothko Prizel und Christopher Rothko, die beiden Kinder des Künstlers, ohne deren Unterstützung dieses ambitionierte Projekt nicht zustande gekommen wäre. Die Rekonstruktion des Rothko-Raums auf der Biennale in Venedig 1958 war Ausgangspunkt für eine Ausstellung im Palazzo delle Esposizioni, die in Rom zu sehen war. Oliver Wick, der unter anderem schon die bedeutende Rothko-Ausstellung in der Fondation Beyeler 2001 realisierte, erarbeitete als wissenschaftlicher Kurator auch die italienische Präsentation.

Aus rom kommend

Aufgrund seines Engagements konnte die römische Ausstellung modifiziert werden und wandert in veränderter Form 2008 nach München und Hamburg. 20 Jahre nach der bislang einzigen Retrospektive – 1988 in Köln – und knapp 40 Jahre nach der ersten Museumsausstellung in Deutschland – 1971 in Berlin – war es höchste Zeit, das Gesamtwerk von Mark Rothko mit über 100 Gemälden und Papierarbeiten dem deutschen Publikum noch einmal umfassend zu präsentieren. Mit Schlüsselwerken der Moderne und vielen bisher nicht öffentlich gezeigten Bildern wurde Mark Rothko einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und den Kennern seines Werks das Erlebnis der Abstraktion in höchster Intensität erfahrbar gemacht.

Zur Ausstellung in Deutschland erschien ein eigener Katalog im Hirmer Verlag München mit Abbildungen sämtlicher ausgestellter Werke und Texten von Gottfried Böhm, Hubertus Gaßner, Karin Koschkar, Christiane Lange, Renée Maurer, Jessica Stewart, Christopher Rothko und Oliver Wick.

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