Maharaja

Pracht der indischen Fürstenhöfe

12. Februar – 24. Mai 2010

Die Kunsthalle zeigte, als Partner des Victoria and Albert Museums, als einziger Ort neben London diese außergewöhnliche Präsentation. Es war die erste Schau, die einen umfassenden Blick auf die Welt der Maharajas und ihre einzigartig reiche Kultur warf. Die Ausstellung zeigte mehr als 250 herausragende Objekte; viele kamen zum ersten Mal nach Europa und stammen aus Indiens Herrschersammlungen. Darunter drei Throne, eine Sänfte – angefertigt aus vergoldetem Silber, mit Edelsteinen besetzte Waffen, Gemälde, Fotografien, indischer Turbanschmuck und Schmuck, der bei Cartier und Van Cleef & Arpels im 20. Jahrhundert in Auftrag gegeben wurde.

Die Ausstellungsgegenstände stammten aus drei Jahrhunderten und umspannten den Zeitraum vom 18. Jahrhundert, dem Beginn der großen Ära der Maharajas, bis 1947, dem Ende der britischen Herrschaft in Indien. Damit wurde der geschichtliche und gesellschaftliche Wandel der Rolle der Maharajas wie auch ihr Einfluss als Kunstmäzene Indiens und Europas anhand ebenso seltener wie schöner Stücke veranschaulicht.

seltene Einblicke

Die königlichen Sammlungen von Udaipur und Jodhpur stellten einige herausragende Gemälde und Objekte als Leihgaben zur Verfügung. Ein weiteres Objekt, das zum ersten Mal in Europa zu sehen war, war das Kollier von Patiala, Teil des größten Einzelauftrags, den Cartier jemals ausführte. Das Kollier wurde 1928 fertig gestellt und im Jahr 2002 restauriert; es fasste ursprünglich 2.930 Diamanten und kam auf fast 1000 Karat.

Den Auftakt der Ausstellung machte eine Prozession mit lebensgroß nachgebildeten Elefanten und Pferden, die prächtig geschmückt die silberne Sänfte eines Maharajas trugen und so einen Eindruck eines solch bombastischen indischen Umzugs geben konnten.

Danach wurde das Herrschermodell Indiens um 1800 und die Rolle der Maharajas als spirituelle und militärische Führer, Politiker und Mäzene anhand von außer-gewöhnlichen Exponaten vorgestellt. Die Symbole ihres Standes waren unter anderem ein »Gaddi« (Thron) aus Udaipur, aufwendig gearbeiteter Turbanschmuck, Zeremonienschwerter wie auch ein goldener, mit Diamanten besetzter »Ankus« (Treibstock für Elefanten). Eine Sänfte aus Jodhpur trug die Maharani (Frau des Maharajas) und erlaubt den seltenen Einblick in das Leben der Frauen in den Palästen. Das Innere der Sänfte war mit originalen Drucken und Kissen ausgestattet.

Wandel im Indien des 18. und 19. Jahrhunderts

Anschließend erzählte die Ausstellung von der Machtverschiebung und dem kulturellen Wandel im Indien des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Zerfall des Mogulreichs führte zu einer Zeit politischen Umbruchs, in der rivalisierende indische Herrscher Land für sich beanspruchten. Zu bewundern waren hier der goldene Thron des Maharajas Ranjit Singh wie auch die Waffen und die Rüstung von Tipu Sultan von Mysore und des Maratha-Herrschers Yeshwant Rao Holkar von Indore. Diese Ära war auch geprägt von der raschen Ausweitung der territorialen Interessen der Britischen Ostindien-Kompanie, was zu einer Vermischung englischer und indischer Kultur führte. Diese spiegelte sich deutlich in Objekten wie dem »Spode« Tafelservice und einem Stuhl wider, der für den Nawab (Herrscher) von Awadh im Stil des »Ägyptischen Revival« entworfen wurde.

Das nächste Kapitel widmete sich den imperialen Versammlungen, den so genannten Durbars des Raj, was großformatige Gemälde und seltenes Filmmaterial anschaulich machten. Dieser Teil der Ausstellung zeigte auch einen Teppich aus Perlen, Rubinen, Smaragden und Diamanten, der für den Maharaja von Barod gewebt und auf dem Durbar im Jahr 1903 ausgestellt wurde.

Der Europäische Einfluss

Der letzte Teil der Ausstellung befasste sich mit der Rolle der »modernen« Maharajas während der Zeit des Raj und dem zunehmend europäischen Einfluss auf ihr Leben. Fotografen und Künstler wie Man Ray, Cecil Beaton oder Rja Ravi Varma dokumentierten mit Porträts von Maharajas und ihrer Frauen sowohl in indischer als auch europäischer Kleidung diesen Wandel.

Das Mäzenatentum der Maharajas bescherte europäischen Unternehmen die größten Aufträge und brachte luxuriöse Arbeiten hervor. Beispiele dafür waren Saris von einem führenden französischen Haut-Couture-Designer, ein Kostüm von Madeleine Vionnet, ein Kollier mit Diamanten und Smaragden von Van Cleef & Arpels und ein Reisekoffer von Louis Vuitton.

Die Maharajas waren auch die Förderer der sich damals entwickelnden europäischen Avantgarde. Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen war Mobiliar im Stil des Art Deco, das in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vom Maharaja von Indore für seinen Palast in Auftrag gegeben worden war. Auch architektonische Entwürfe für den Palast Umaid Bhawan, eine moderne Residenz, die auf Wunsch des Maharajas von Jodhpur erbaut wurde, war zu sehen.

Diese Ausstellung belegte, dass Indiens Herrscher nicht nur bedeutende Kunstmäzene im eigenen Land, sondern auch im Westen waren. Gleichzeitig wurde die faszinierende geschichtliche Entwicklung der Rolle der Maharajas vom frühen 18. Jahrhundert bis zu den letzten Tagen des Raj erzählt.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung in München war His Highness Maharana Arvind Singh Mewar of Udaipur anwesend.

Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft des indischen Botschafters in Deutschland und des deutschen Botschafters in Indien.

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