Kosmos Runge

Morgen der Romantik

13. Mai – 4. September 2011

Œuvre eines jungen genies

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München zeigte den Romantiker Philipp Otto Runge (1777–1810). Mit seinem künstlerischen Werk wurde er erstmals außerhalb Hamburgs in einer umfassenden Retrospektive vorgestellt. Fast 300 Werke präsentierten nahezu das gesamte Oeuvre dieses jung verstorbenen Genies.
Runge gilt neben Caspar David Friedrich als wichtigster Begründer der Kunst der deutschen Romantik.

25 Gemälde, über 200 Zeichnungen und 50 Scherenschnitte erlaubten einen Blick in den Kosmos Runge. Sein Streben nach einer neuen Kunst, seine Versuche, für die Ära um 1800 eine adäquate bildnerische Ausdrucksform zu finden, kulminieren in seinem grafischen Hauptwerk zu den Tageszeiten (ab 1803) und dem berühmten Gemälde »Der Große Morgen« (1809). Daneben geben die Porträts ihm nahestehender Freunde und Familienmitglieder tiefe Einblicke in seine Biografie. Die Vielzahl von Skizzen und Zeichnungen, mit denen der Künstler Themen umkreist, erweist sich als Schlüssel zu einem komplexen Bild- und Kunstverständnis.

Vereint im Gesamtkunstwerk

Runge war von der Vision beseelt, Malerei, Dichtung, Musik und Architektur in einem Gesamtkunstwerk zu vereinen und betrat damit künstlerisches Neuland. Mit seinen Gemälden versucht er dem zyklischen Naturverständnis der Romantik ein Bild zu geben. Aber auch viele Selbstbildnisse stellen ein eindringliches Zeugnis seiner intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Person dar, was ihm Ausgangspunkt für ein Verständnis von Transzendenz und Kosmos ist. Mit Kinderdarstellungen, insbesondere Gemälden wie »Die kleine Perthes« (1805) oder die »Die Hülsenbeckschen Kinder« (1805) begründet Runge einen neuen Blick auf das heranwachsende Individuum in der Kunst. Die fragilen Scherenschnitte, Meisterwerke in Naturgenauigkeit wie Abstraktion, dokumentieren seine Vielseitigkeit.

Aufbau der Ausstellung

Diese Retrospektive gliederte sich in zehn Abschnitte, die teilweise nach gattungsspezifischen, teilweise nach thematischen und medialen Gesichtspunkten geordnet war: Auftakt bildeten die Selbstbildnisse sowie Runges Frühwerk und Arbeiten aus seiner Akademiezeit, gefolgt von ersten eigenständigen Kompositionen. Im Kapitel »Bild und Rahmen« ging es um seine Auseinandersetzung mit der romantischen Arabeske. Kern der Ausstellung bildete das Thema der vier Zeiten als Schlüssel zu seinem bildnerischen Denken. Ein Exkurs widmete sich Runges Farbenlehre, bevor als Höhepunkt die Porträts des Künstlers zu sehen war. Es folgten religiöse Werke und Illustrationen zu literarischen Vorlagen; abschließend wurden seine Scherenschnitte und Schattenrisse in großer Fülle ausgebreitet. Darüber hinaus dokumentierten die Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Restaurierungsabteilung der Hamburger Kunsthalle neueste Erkenntnisse zur Maltechnik von Philipp Otto Runge.

Aufgrund der besonderen Fragilität seiner Werke ist Runges Kunst außerhalb Hamburgs selten gezeigt worden. Anlässlich des 200. Todesjahrs des Künstlers hatten Markus Bertsch, Jenns Howoldt und Andreas Stolzenburg, Kuratoren der Hamburger Kunsthalle, diese umfangreiche Ausstellung für Hamburg und München erarbeitet. Nach dem großen Erfolg der Retrospektive in Hamburg, wo sie vom 3. 12. 2010 bis 13. 3. 2011 zu sehen war, haben wir uns ganz besonders gefreut diesen wegweisenden Neuerer der Romantik erstmals in großem Umfang in München vorstellen zu können. Im Hirmer Verlag München ist ein umfassender Katalog mit Abbildungen aller ausgestellten Werke erschienen.

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