Karl Friedrich Schinkel

Architekt, Maler, Designer

1. Februar – 12. Mai 2013

Geschichte und Poesie

Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), das preußische Universalgenie wurde mit dieser Ausstellung zum ersten Mal in München gefeiert. Mehr als 300 Objekte gaben einen umfangreichen Einblick in Leben und Werk eines der bedeutendsten europäischen Architekten am Beginn der Moderne. Doch der Zeitgenosse Leo von Klenzes (1784–1864) ist weit mehr: Schinkel ist Stadtplaner, Maler, Zeichner, Interieur- und Produktdesigner, Schöpfer traumhafter Bühnendekorationen und Visionär utopischer Bauphantasien. Gezeigt wurden Originalentwürfe zu Mozarts »Zauberflöte« und erstmals in Gegenüberstellung von Original und Kopie sein bedeutendes Gemälde »Gotischer Dom am Wasser«. Weiterer Höhepunkt bildete eine Rekonstruktion des optisch-mechanischen Schaubildes zum »Brand von Moskau« (1812), mit dem Schinkel schon damals ein breites Publikum begeistert. Diese Retrospektive demonstrierte, wie Schinkel eine ganze Epoche vom Klassizismus bis zum Historismus prägt. Die Frage nach dem Verhältnis von »Geschichte« und »Poesie« in seinem Kunstuniversum führte als Leitfaden durch die Ausstellung: Für Schinkel müssen beide Aspekte in Einklang gebracht werden, damit ein Bauwerk oder ein Objekt über das »nackte Bedürfnis« hinaus zum Kunstwerk wird.

Schinkel – Gestalter einer Epoche

Neun Sektionen gliederten die Schau: Der Besucher wurde zu Beginn in Das Leben Schinkels eingeführt, lernte seine Familie sowie seine Weggefährten kennen. Die Sektion Geschichte, überliefert und konstruiert. Die Entdeckung der historischen Denkmäler folgte im Anschluss den ersten Schritten des jungen Architekten und begleitete ihn auf seiner einjährigen Italienreise.

Die Bühne und die Welt

Nach Berlin zurückgekehrt ohne Aussicht auf Arbeit als Architekt, findet Schinkel zunächst als Bühnenbildner seine Berufung. In Die Bühne und die Welt. Geschichtsphantasien und das Fremde im Theaterbild entführte er den Betrachter durch traumhafte Bildinszenierungen an exotische Orte. Doch auch tagesaktuelle Ereignisse werden von ihm thematisiert: 1812 endet Napoleons Feldzug im brennenden Moskau. Dieses bildkräftige Ereignis geht als Wendepunkt der napoleonischen Kriege und der anschließenden Neuordnung Europas in die Geschichte ein. Wenige Monate später inszeniert Schinkel den »Brand von Moskau« in einem aufwendigen perspektivischen Schaubild mit Toneffekten und beweglichen Puppen, das von den Berlinern begeistert aufgenommen wird. Zum ersten Mal überhaupt wurde für diese Ausstellung das Figurentheater mit aufwendiger Technik rekonstruiert.

Architekt für den Hof

In Wege zur Nation. Schinkels Denkmalentwürfe wurde die Rolle Preußens in seiner Suche nach einer nationalen Identität thematisiert. Schinkels Erfolge bleiben nicht unbemerkt und imposante architektonische Aufträge folgen für Königshaus und Staat. In Preußen als Kunstwerk. Schinkels Berliner Bauten wurden die zentralen Bauwerke klassizistischer Architektur vorgestellt, die zum Vorbild für folgende Generationen geworden sind: die Neue Wache, Friedrichswerdersche Kirche, die Bauakademie und natürlich das Alte Museum am Lustgarten, das 1830 – im gleichen Jahr wie die Glyptothek am Münchner Königsplatz – eröffnet wird. Ein detailliert ausgearbeitetes Modell veranschaulichte sowohl das Innere als auch das Äußere des Berliner Museumsbaus. Nicht nur König Friedrich Wilhelm III. nimmt seine Dienste in Anspruch, sondern vor allem sein Sohn, der Thronfolger Friedrich Wilhelm IV. wird zum großen Förderer Schinkels. Diese mannigfaltige Tätigkeit aus Architektur, Interieur- und Objektdesign wurde in der Sektion Architekt für den Hof. Hofarchitekt präsentiert.

Bereiter der Moderne – Vordenker und Visionär

Neben dieser höfischen Verpflichtung veröffentlicht er Musterbücher, deren Entwürfe die breite Öffentlichkeit erreichen. In Schinkel der Moderne. Gewerbeförderung und Design wurde Schinkel als Vordenker und Visionär präsentiert. Tatkräftig setzt er sich für die Industrieförderung ein und wird so zu einem der Väter der »ersten Gründerzeit« in Preußen. Das Vorbild liefert hier England, das er 1826 besucht. Die 1830er Jahre bestimmen neben der Berliner Bauakademie imposante und kühne architektonische Phantasien. Es sind Träume vom Bauen – späte Utopien, in denen Geschichte und Poesie letztmalig zu untrennbarer Einheit verschmelzen. Hier agiert Schinkel auf internationaler Ebene, entwirft unter anderem ein Schloss für Otto von Griechenland auf der Athener Akropolis oder ein Zarenschloss auf der Krim. Am Schluss der Ausstellung betrat der Besucher quasi Schinkels Atelier: Das Labor der Kunst – Labor der Wissenschaft bot Einblicke in die Kunsttechniken der damaligen Zeit von der Papierherstellung über die Zeichenmittel bis hin zu zeitgenössischen druckgraphischen und anderen Vervielfältigungstechniken.

Das Erbe Schinkels

Seit 2009 ging der Ausstellung ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt voraus, das den umfassenden Schinkel Nachlass im Berliner Kupferstichkabinett mit mehr als 5.500 Werken untersucht hatte. Unter dem Titel »Das Erbe Schinkels« war es katalogisiert worden und unter www.smb.museum/schinkel – für jedermann zugänglich – digitalisiert. Aus diesen Ergebnissen hat das Berliner Kupferstichkabinett in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung diese anspruchsvolle Ausstellung realisiert.

Ihre nationale Bedeutung wurde unterstrichen von der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck.