Aus Dämmerung und Licht

Meisterwerke nordischer Malerei 1860 – 1920

30. Mai – 6. Oktober 2013

Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zeigte eine Überblicksschau mit 125 Gemälden aus den fünf nordischen Ländern (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) während des Umbruchs zur Moderne. Meisterwerke von Edvard Munch, Anders Zorn, Akseli Gallen-Kallela, August Strindberg, Helene Schjerfbeck und Vilhelm Hammershøi standen im spannenden Dialog mit Bildern von fast 60 hervorragenden Malern, die es in Deutschland noch zu entdecken galt. Mit einer breiten Themenvielfalt wurde demonstriert, was zwischen den noch jungen nordischen Nationen diese Künstler über die Heimatgrenzen hinweg verband und trennte.

Der nordische Weg

Getrieben von Neugier, aber auch aufgrund der mangelnden oder als zu starr empfundenen Ausbildungsmöglichkeiten in ihrer Heimat reisen viele der nordischen Künstler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die europäischen Metropolen mit wichtigen Kunstakademien wie Düsseldorf oder München. Vor allem zieht es sie nach Paris, wo sie eine vielfältige Kunstszene vorfinden. Mit Enthusiasmus betreten die Maler neue Wege, nehmen Impulse auf und definieren ihre eigene kulturelle Identität neu. Kontakte mit anderen europäischen Künstlern und die Teilnahme an wichtigen Ausstellungen in ganz Europa fördern das Entstehen einer autarken Formensprache. Dies führt nicht nur zu eigenständigen, nordischen Varianten von Realismus, Impressionismus und Symbolismus, auch vermitteln die nordischen Künstler neue Impulse an ihre südlichen Zeitgenossen.

Aufbruch in die Moderne

Der Ausstellungstitel »Aus Dämmerung und Licht« brachte die einmaligen Stimmungen zum Ausdruck, die die nordischen Maler in ihren Bildern einzufangen vermögen. Die Landschaftswahrnehmung spielt hierbei eine zentrale Rolle. Doch auch das tägliche Leben in Dorf oder Stadt, mit der daran verbundenen sozialen Problematik, wird mit atmosphärischer Symbolik angedeutet. Der Titel versinnbildlichte auch den kulturellen und gesellschaftlichen Umbruch, der sich im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in den nordischen Ländern vollzieht. Dieser Aufbruch in die Moderne stellt die traditionellen Vorstellungen von Ästhetik und Moral in Frage und wirft einen kritischen Blick auf die Lebensumstände dieser Nationen im Wandel. Denn auch die geografischen Grenzen der nordischen Länder verändern sich: so erlangen Norwegen (1905), Finnland (1917) und Island (1918) ihre Unabhängigkeit. Mit ihren Arbeiten tragen die Künstler aktiv zur Identitätsfindung des eigenen Landes und zu gesellschaftlichen Veränderungen bei.

Übersicht und würdigung

Das wachsende Interesse an der nordischen Kunst hatte in den vergangenen Jahren zu zahlreichen monografischen Ausstellungen in Europa und Amerika geführt. Auch die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hatte schon umfangreiche Werkschauen zu Munch, Larsson, Zorn und zuletzt Hammershøi gezeigt. Dieses berechtigte Interesse an der hohen künstlerischen Qualität der nordischen Maler kulminierte nun in dieser einzigartigen Übersichtsschau mit Arbeiten von nationalen Größen wie Prinz Eugen (Schweden), P. S. Krøyer (Dänemark), Magnus Enckell (Finnland), Christian Krohg (Norwegen) oder Thórarinn Thorláksson (Island).

Die Ausstellung wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts von Prof. Dr. David Jackson, Spezialist für russische und skandinavische Malerei, konzipiert und war eine Kooperation der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung mit dem Groninger Museum. Die wissenschaftliche Recherche für das Projekt wurde vom Arts & Humanities Research Council Großbritannien finanziert.

Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog im Hirmer Verlag München in drei Sprachen (deutsch, englisch, niederländisch) mit Beiträgen von David Jackson, Per Hedström, Timo Huusko, Peter Nørgaard Larsson und Nils Ohlsen.

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